Forderungsausfälle im Handwerk immer noch ein aktuelles Thema
Unabhängig von der allgemeinen Zahlungsmoral stellen Forderungsausfälle neben der Einschränkung der Wirtschaftlichkeit für Handwerksunternehmen vor allem ein großes Ärgernis dar.
Dies ist eines der Hauptergebnisse einer Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen). Die Studie wurde unter der Leitung des ehemaligen Direktors des ifh Göttingen, Prof. Dr. Wolfgang König, von Martin Rode M.A. erstellt. Begleitet wurde die Forschung von einem Beirat, der sich aus verschiedenen Persönlichkeiten der niedersächsischen Handwerksorganisation zusammensetzte und mehrfach in der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen tagte. Finanziert wurde diese Forschung von LexFort Forderungsmanagement GmbH, die im Bereich des Forderungseinzugs einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt und die handwerksspezifische Aspekte dieser Problematik verstärktin den Blick nimmt.
Um den betriebswirtschaftlichen Stellenwert und den Umgang mit Forderungsausfällen zu überprüfen, wurden insgesamt 40 Unternehmen aus den Regionen Hannover, Braunschweig und Hildesheim-Südniedersachsen persönlich befragt. Dabei wurden die betrieblichen Mechanismen der Bonitätsprüfung, der Vertragsgestaltung, der Rechnungserstellung/-überwachung und des Mahn- und Inkassowesens besonders detailliert untersucht. In diesem Sinne erhebt die Studie zwar keinen Anspruch auf Repräsentativität, bietet aber umfangreiche Einblicke in die Ausprägung und Gestaltung des Forderungsmanagements von Handwerksunternehmen. Zusammenfassend kommt die Studiezu folgenden Ergebnissen:
• Insgesamt hatten 80 % der befragten Unternehmen Forderungsausfälle zu verzeichnen, von denen in diesem Zusammenhang jedoch nur 40,6 % eine Verschlechterung der Rentabilitätsehen.
• Neben der Insolvenz von Geschäftspartnern (65,6 %) bewerteten die befragten Unternehmen insbeson¬dere die Zahlungsunwilligkeit (71,9 %) als Hauptgrund ihrer Forderungsausfälle.
• Die Prüfung der Kundenbonität nimmt häufig nur einen geringen Stellenwert ein und wird zu sehr durch Intuition oder Erfahrung bestimmt. Ein Viertel der befragten Unternehmen verzichten gänzlich auf eine Prüfung der Kundenbonität.
• Die vertragliche Absicherung der Forderungen ist relativ schwach ausgeprägt.
• Die Rechnungserstellung erfolgt teilweise mit erheblicher Verzögerung zu Lieferung und Leistung. Bei der vorliegenden Stichprobe liegt die durchschnittliche Zeit zwischen Leistung und Rechnungserstel¬lung bei 16 Tagen.
• Das betriebliche Mahn- und Inkassowesen handelt nicht immer konsequent, sodass unter Umständen auf Mahnungen verzichtet wird. Darüber hinaus gaben 77,5 % der Befragten an, kleinere Restbeträge abzuschreiben und nicht weiterzuverfolgen.
• Die Möglichkeit der Auslagerung des Forderungseinzugs wird nur selten und hauptsächlich in Einzelfällen genutzt.
Aufgrund dieser Ergebnisse ergeben sich wichtige Ratschläge an Handwerksunternehmen, damit diese ihr betriebliches Forderungsmanagement optimieren und die betreffenden Erfolgsquoten steigern können:
• Beugen Sie Forderungsausfällen aktiv vor und verfolgen Sie konsequent Ihre Forderungen, denn jeder Zahlungsausfall schmälert die Rentabilität und die Liquidität Ihres Unternehmen.
• Informieren Sie sich im Vorfeld über potenzielle Geschäftspartner und ziehen Sie möglichst verschiedene zuverlässige und aktuelle Informationsquellen zur Einschätzung der Bonität heran.
• Vereinbaren Sie vertragliche Absicherungsklauseln und Sicherheiten, um Ihre Forderungen zusätzlich zu sichern.
• Bieten Sie Ihren Kunden den Abzug eines Skontos bei vorzeitiger Zahlung an, um eine zeitnahe Zahlung attraktiver zu machen.
• Erstellen Sie die Rechnung direkt nach Erbringung der Leistung und übermitteln Sie dem Kunden die Rechnung auf schriftlichem Wege.
• Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Zahlungseingänge, sodass Zahlungsverzüge unmittelbar an die Mahnabteilung weitergeleitet werden können.
• Verfolgen Sie Ihre Forderungen mit der nötigen Konsequenz und Durchsetzungskraft.
• Wenden Sie sich in Problemfällen an Ihre zuständige Handwerkskammer oder ziehen Sie die Beauftragung eines spezialisierten Inkassounternehmens in Betracht.
Aus dem Vorwort
Die vorliegende Untersuchung
setzt sich zum Ziel, den betriebswirtschaftlichen Stellenwert und den
Umgang mit Forderungsausfällen im Handwerk zu analysieren. Dazu wurden
40 Handwerksunternehmen aus den Regionen Hannover, Braunschweig und
Hildesheim-Südniedersachsen persönlich befragt. Auch wenn die Studie
keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt, so bietet sie doch
umfangreiche Einblicke in die Ausprägung und Gestaltung des
Forderungsmanagements der Unternehmen, was sich insgesamt zu wichtigen
Ratschlägen für das betriebliche Verhalten in diesem Bereich verdichtet.
Das Arbeitsheft wurde von Herrn Martin Rode M.A. unter der Leitung
des ehemaligen Direktors des Volkswirtschaftlichen Instituts für
Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen),
Prof. Dr. Wolfgang König, und des Unterzeichnenden erstellt.
Der Bezug zur Praxis wurde insbesondere möglich durch einen Beirat,
der sich aus verschiedenen Persönlichkeiten der niedersächsischen
Handwerksorganisation und der Handwerkskammer Erfurt sowie aus
ausgewählten Unternehmern aus dem Handwerk zusammensetzte. Diesen
Herrschaften sei an dieser Stelle herzlich für ihr Engagement gedankt
zusammen mit der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, welche die
Rolle des Gastgebers wahrnahm.
Besonderer Dank gilt der LexFort Forderungsmanagement GmbH, welche die Untersuchung großzügig finanzierte.
Göttingen, im Juli 2012
Dr. Klaus Müller
Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts
für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
1.1 Problem des Forderungsausfalls ... 1
1.2 Gegenstand der Untersuchung ... 1
2. Konzeptioneller Hintergrund ... 4
2.1 Motivation des Forderungsmanagements ... 4
2.2 Definition des Forderungsmanagements ... 5
2.2.1 Aufgaben ... 5
2.2.2 Ziel ... 6
2.3 Bestandteile des Forderungsmanagements ... 6
2.3.1 Bonitätsprüfung ... 6
2.3.2 Vertragsgestaltung ... 7
2.3.3 Debitorenbuchhaltung ... 8
2.3.4 Mahn- und Inkassowesen ...9
2.4 Organisatorische Aspekte des Forderungsmanagements ... 10
3. Hypothesenbildung im Zeichen der Charakteristika von Handwerksunternehmen ... 12
3.1 Charakteristika des Handwerks ... 12
3.2 Arbeitshypothesen ... 14
3.2.1 Allgemein ... 15
3.2.2 Bonitätsprüfung ... 15
3.2.3 Vertragsgestaltung ... 15
3.2.4 Rechnungserstellung und -überwachung ... 16
3.2.5 Mahn- und Inkassowesen ... 16
3.2.6 Outsourcing ... 16
4. Empirische Erhebung und Ergebnisse ... 17
4.1 Vorgehensweise bei der Befragung ... 17
4.2 Auswahl der befragten Unternehmen ... 18
4.3 Allgemein ... 19
4.3.1 Strukturelle Beschaffenheit der Stichprobe ... 19
4.3.2 Forderungsausfälle in den letzten fünf Jahren ... 21
4.3.2.1 Höhe der Forderungsausfälle ... 22
4.3.2.2 Gründe für die Forderungsausfälle ... 23
4.3.2.3 Probleme in Folge der Forderungsausfälle ... 24
4.4 Bonitätsprüfung ... 25
4.4.1 Durchführung der Bonitätsprüfung ... 25
4.4.2 Genutzte Informationsquellen zur Beurteilung der Bonität ... 28
4.5 Vertragsgestaltung ... 29
4.5.1 Zahlungsvereinbarungen ... 31
4.5.1.1 Zahlungsmodalitäten ... 31
4.5.1.2 Zahlungsziel ... 32
4.5.1.3 Skontokonditionen ... 32
4.5.2 Vertragliche Absicherung der Forderungen ... 33
4.6 Rechnungserstellung und -überwachung ... 35
4.7 Mahn- und Inkassowesen ... 39
4.7.1 Umgang mit säumigen Schuldnern ... 40
4.7.2 Verzicht auf Mahnungen ... 41
4.7.3 Abschreiben von Forderungen ... 42
4.8 Outsourcing ... 44
5. Schlussfolgerung ... 47
5.1 Zusammenfassung ... 47
5.2 Handlungsempfehlungen ... 50
Anhang ... 52
A 1 Beirat ... 52
A 2 Fragebogen ... 53
Literaturverzeichnis ... 59